Was machen Waldläufer eigentlich?
Diese Frage wird uns immer wieder gestellt.
Naja, die laufen im Wald herum, klettern auf Bäume, machen Feuer, sammeln Kräuter, bauen sich ein Lager, beobachten Tiere, kochen, singen, hören Geschichten, streunen im Wald, schnitzen, treffen ihre Freunde, verbringen Zeit in und mit der Natur – all das, und noch mehr. Das stimmt. Das machen Waldläufer – auf den ersten Blick betrachtet.
Will man aber einen zweiten Blick riskieren und mehr erfahren, dann steckt dahinter ein – für uns - geniales Konzept, das die Erkenntnisse der Neurobiologie, also wie unser Gehirn am besten lernt, der Reformpädagogen – wie Inhalte kindgerecht vermittelt werden und der Psychologie berücksichtigt. Diese drei Wissenschaften finden sich im praktischen Modell der Wildnispädagogik wieder, in dem der Mensch als Teil der Natur gesehen wird.
Wir Erwachsene nehmen dabei die Rolle von Mentoren ein, die die Kinder beobachten, begleiten, Impulse setzen, in Beziehung gehen, gezielt Fragen stellen. Wenn wir die Begeisterung & Leidenschaft der Kinder wahrnehmen, können wir darauf aufbauend inspirierende und aufregende Lernanlässe schaffen. Wird der angeborene Wunsch zu entdecken und gestalten angesprochen, können wir die Kinder beim Lernen über die Natur (und über sich selbst) unterstützen, ohne dass es sich „anstrengend“ anfühlt – im Sinne einer „unsichtbaren Schule“!
Durch gezielte Impulse schaffen wir eine Lernumgebung, in der die Kinder nicht unmittelbar realisieren, dass ihnen das gesungene Lied etwas über den Wasserkreislauf vermittelt, eine Schnitzeljagd ihnen hilft, Baumarten zu identifizieren, ein Spiel etwas über die verschiedenen Feuerarten verdeutlicht oder eine Geschichte Hinweise über die Lebensart von einzelnen Tieren enthält.
Was alle Kinder an den Waldläufernachmittagen begeistert, ist das Herumstreunen. Schon im Begrüßungskreis äußern sie diesen Wunsch, dem wir auch gerne Raum und Zeit geben. In all unseren Programmen findet sich das „50-50-Prinzip“ wieder. Das heißt, wir „planen“ nur die Hälfte der Zeit mit Programmpunkten, die andere Hälfte ist den Wundern, Aufregungen und Entdeckungen gewidmet, die garantiert – in welcher Form auch immer – in Erscheinung treten. Die Natur birgt so viele Überraschungen, die uns einladen zu verweilen, zu betrachten, uns aber auch Adrenalin ausschütten lassen! Und meistens ist es ja so: wenn scheinbar nichts passiert, passiert das Meiste!
Dass das Ganze auch noch Spaß macht und die soziale, körperliche und seelische Gesundheit der Kinder fördert, ist einfach wunderbar!
Wenn ihr zurückdenkt, was euch als Kind begeistert hat: da sind bestimmt einige der folgenden Nennungen dabei! Die Begeisterungen & Vorlieben der Kinder sind universell und haben über Generationen hinweg Bestand:
Abenteuer erleben, entdecken, erforschen, verstecken, suchen, spionieren, umherstreunen,] sich verlaufen, gefunden werden, Fragen stellen, Fragen gestellt bekommen, Antworten finden, Geschichten hören, Geschichten erfinden, Geschichten erzählen, Geschichten nachspielen, Bilderbücher lesen, Tagebuch führen, Musik hören, Musik machen, singen, lachen, pfeifen, klatschen, stampfen, rufen, mit Sachen werfen, Sachen bewegen/herumschubsen, Sachen schlagen, Kräfte messen, Sachen berühren/streicheln, kleine Tierchen fangen, Tiere aus der Nähe sehen, klettern, schaukeln, reiten, plantschen, spritzen, schwimmen, nass werden, sich einsauen, voll Schlamm sein, spucken, fliegen, hüpfen, rennen, verfolgen, nachahmen, schauspielern, vorführen, Sachen erklären, sich schick machen, sich verkleiden, Gesichter anmalen, Charaktere erfinden, Tiere sein, Geheimnisse erzählen, Geheimnisse für sich behalten, in Geheimsprache reden, essen, kosten, kochen, sammeln, riechen, malen, zeichnen, formen, bauen, dekorieren, verbrennen, mit Feuer spielen, etwas zerbrechen, sezieren, Durcheinander verursachen, Durcheinander aufräumen, Fallen stellen, einfangen, helfen, Sachen tragen, auf Besorgung geschickt werden, Älteren bei Projekten helfen, sich gegenseitig helfen, überraschen, geben und bekommen, schockieren, pirschen, jagen, schießen, schnitzen, Werkzeug herstellen, Unterschlupf bauen, Dämme bauen, Baumhäuser bauen, Vater-Mutter-Kind spielen, Festung spielen, flüstern, witzeln, austricksen, umarmen, kuscheln, Hand halten, Schätze suchen, Hinweisen nachgehen, Rätsel verfolgen, Mutproben machen, Herausforderungen annehmen, Abenteuer suchen…
